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Oekumenischer Ratschlag

Samstag, 22. Juni 2019 in Dortmund

Die Agenda 2030 der Vereinten Nationen als Herausforderung an die Kirchen - für eine ökumenische Qualifizierung der SDGs

Abschließendes Thesenpapier

Unsere Position

Wir bekennen uns zu den 1983 formulierten Zielen des Konziliaren Prozesses „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“. Diese Ziele bilden eine untrennbare Einheit. In der DDR hat dieser Prozess 1989 wesentlich zur friedlichen Revolution beigetragen.
Wir setzen uns für ein gutes Leben aller Menschen, aller Tiere und der gesamten Schöpfung ein.
Dies bedeutet für uns die Abkehr von der auf materiellen Wohlstand und Geldvermehrung aufbauenden Produktionsweise und Lebensstils der Gesellschaften im globalen Norden und der reichen Oberschichten des globalen Südens.
Menschen sind individuelle Lebewesen mit einem Recht auf ein menschenwürdiges Leben. Sie sind ebenso Teil der großen Schöpfung. Wenn Menschen diese Schöpfung zerstören, zerstören sie sich und das Leben selber.
Die Liebe zu dieser Schöpfung treibt uns zu einem mutigen und nach entscheidenden Weichenstellungen suchenden Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

Beschreibung und Analyse

Heute, im Jahr 2019, stellen wir fest, dass die Menschen nur wenig unternommen haben, um den Zielen des Konziliaren Prozesses näher zu kommen.
Die globalen ökologischen, sozialen und ökonomischen Krisen verschärfen sich und gefährden alles Leben auf der Erde.
Die Mehrheit der Menschen des globalen Nordens setzen ihre Interessen durch, ohne auf die Bedürfnisse des Planeten Erde und der Menschen, die darauf leben bzw. leben werden, Rücksicht zu nehmen.
Die Werte des Konziliaren Prozesses werden durch die an der Geldvermehrung orientierten kapitalistischen Wirtschaftsweise systematisch untergraben. Sie sind in einem kapitalistischen System nicht umsetzbar. Aktuell lässt sich das so formulieren:
➢ Gerechtigkeit: Der auf Konkurrenz, Ausgrenzung und dem Gegensatz von Kapital und Arbeit aufbauende Kapitalismus führt zwangsläufig zu einer Spaltung der Menschheit und zu immer größerer sozialer Ungleichheit.
➢ Frieden: Profitstreben und Verdrängungswettbewerb um die knappen Ressourcen führen systemnotwendig zu gewalttätigen Konflikten und damit zu einer wahnwitzigen Aufrüstung und permanenter Kriegsgefahr.
➢ Bewahrung der Schöpfung: Die Kapitalakkumulation ist nur bei stetigem materiellem Wirtschaftswachstum möglich. Dies führt notwendigerweise zu einer nicht enden wollenden Ausbeutung der Ressourcen der Erde und zu einer zerstörenden Belastung des Ökosystems.

Forderungen und Wünsche

Von den Kirchen auf der ganzen Welt wünschen wir uns ein aus der Liebe zur Schöpfung geborenes Engagement für die Einsichten und Wegmarken des Konziliaren Prozesses. Gott hat die Erde für alles Leben geschaffen.
Wir fordern die Kirchen auf, sich aktiv und engagiert für diese Umkehr im Denken und Handeln einzusetzen. Wir sprechen damit sowohl die Kirchenleitungen wie auch die Gemeinden an.
Wir setzen uns für ein entschiedenes Umdenken aller wohlhabenden und mittragenden Menschen ein.
Wir fordern einen sorgenden, solidarischen und achtsamen Umgang mit dem Planeten Erde und allen darauf lebenden Wesen.
Wir engagieren uns an vielen Orten und in unterschiedlichen Situationen für eine beispielhafte Umsetzung der Ziele des Konziliaren Prozesses.
Wir setzen uns für ein Leben in Würde für Alle im Rahmen der planetarischen Grenzen ein.
Wir fordern eine Neuorientierung von Wirtschaft und Gesellschaft: Sorge, Pflege und Achtsamkeit müssen im Vordergrund allen Wirtschaftens und im alltäglichen Handeln stehen.
Das vom Weltklimarat fixierte 1,5 Grad-Ziel, das nicht überschritten werden darf, erfordert in den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Prozessen das Einhalten von Grenzen.
Wir unterstützen für das Jahr 2020 einen Umkehrtag zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, in dem konkrete Schritte der Umkehr formuliert und in die gesellschaftliche Diskussion eingebracht werden. Wir haben die Hoffnung, dass die Erfahrungen von 1989 auch zu grundlegenden gesellschaftlichen Systemveränderungen in unserem Land im Jahr 2020 beitragen können.
Verbündete
Wir unterstützen weitgehend die in der Agenda 2030 formulierten 17 Ziele der UN, weil sie im Sinne des Konziliaren Prozesses eine grundlegende Transformation der Gesellschaft fordern. .Wir vermissen allerdings eine Analyse, aus der hervorgeht, dass die Ziele im Rahmen einer kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung nicht erreicht werden können. Insbesondere vermissen wir eine klare Abkehr von der herrschenden Wachstumsideologie und dem Machbarkeitswahn. Wir erkennen aber auch an, dass die Ziele zentrale Anliegen des Konziliaren Prozess aufgreifen, und sie in der Gesellschaft weitgehend anerkannt sind. Im Rahmen einer langfristig orientierten Transformationsstrategie unterstützen wir deshalb Aktivitäten zur Umsetzung der 17-UN-Ziele.
Indem wir uns an den gesellschaftlichen Prozessen zur Umsetzung der UN-Ziele beteiligen, können wir wirksam auf die Widersprüchlichkeit einer kapitalorientierten Wirtschaft und Gesellschaft aufmerksam machen. Es ist die Aufgabe der jeweils Beteiligten, die grundlegenden Schwächen der Agenda in der konkreten Situation aus Sicht der ökumenischen Bewegung kritisch aufzuzeigen und die Defizite der Agenda 2030 mittels konkreter Vorschläge konstruktiv zu bearbeiten.
Wir unterstützen alle Bewegungen und gesellschaftlichen Initiativen, die mit den Prioritäten und Lernerfahrungen des Konziliaren Prozesses vereinbar sind. In diesem Sinne solidarisieren wir uns beispielsweise mit der „Fridays for future“ Bewegung.

Der Ökumenische Ratschlag dient als regelmäßiges Beratungstreffen für das Ökumenische Netz in Deutschland, in dem zahlreiche Basisinitiativen, Netzwerke und think tanks zusammenwirken. Eine juristische Plattform bietet die Stiftung Ökumene. Kontaktadresse: Stiftung Ökumene c/o Ulrich Schmitthenner, Lindenspürstraße 30 in 70176 Stuttgart (e-mail: ECUNET@t-online.de)
Ansprechpartner für das ÖNiD ist die Geschäftsstelle der Kommunalen Ökumene Treptow – Köpenick, c/o Dr. Klaus Wazlawik, Rudower Straße 23, 12557 Berlin Telefon: 030 - 46 73 45 94 mail:

Schlussredaktion vom 11. Juli 2019


Bisherige Oekumenische Ratschläge seit 2014:

Oekumenische Versammlung 2014 vom 30. April bis 4. Mai in Mainz: „Die Zukunft, die wir meinen – Leben statt Zerstörung. Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung“.

Oekumenischer Ratschlag Sommer 2015 am 6.und 7. Juni in Stuttgart: „Die Schuldenkrise – eine Krise des Kapitalismus“

Oekumenischer Ratschlag Frühjahr 2016 am 30. April in Frankfurt: „Spiritualität als wichtiger Baustein der großen Transformation“

Oekumenischer Ratschlag Herbst 2016 am 9. Oktober in Nürnberg: „Konziliarer Prozess für Gerechtigkeit. Frieden und Bewahrung der Schöpfung und die UNO-Ziele zu Nachhaltiger Entwicklung“

Oekumenischer Ratschlag Frühjahr 2017 am 27. Mai in Berlin: „Sind wir noch zu retten? Die planetarische Krise und die UN-Nachhaltigkeitsziele“

Oekumenischer Ratschlag Herbst 2017 am 8. Oktober in Mannheim: „Eine neue Reformation ist notwendig“

Oekumenischer Ratschlag Frühjahr 2018 am 14. April in Frankfurt: „Für eine Wirtschaft, die dem Leben dient – Ausbrechen aus den strukturellen Gewalttätigkeiten der Ökonomie“ .

Oekumenischer Ratschlag Herbst 2018 am Freitag 09. / Samstag 10. November 2018 in Minden: "35 Jahre Konziliarer Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung" - "Grüne Reformation und Ökologische Theologie"


Die Ergebnisse der zurückliegenden Oekumenischen Ratschläge seit der Oekumenischen Versammlung 2014 in Mainz sind hier nachlesbar: